Ein kleiner Rückblick in die eigene Vergangenheit
27.05.2026 |
Memorabilia im EAF
Wenn man eine Auswahl über die besonders repräsentativen, kuriosen, bedeutsamen oder optisch beeindruckenden Archivstücke im eigenen Haus treffen müsste, welche würden es dann auf die Liste schaffen? Diese Frage stellten sich in der Vergangenheit wohl schon einmal Archivare im Erzbischöflichen Archiv Freiburg, denn es gibt mehr als eine Zusammenstellung sogenannter Memorabilia.
Eine dieser Auflistungen der erinnerungswürdigen Stücke stammt aus dem Nachlass des ehemaligen Archivleiters Joseph M. B. Clauss (Na 48/121), dessen Amtszeit sich von 1935 bis 1949 erstreckte. Der Titel lautet ganz schlicht: Verzeichnis der Acten, welche bezeichnet sind als: Memorabilien des erzb. Archivs. In diesem Fall verdienten wohl 30 Einzelstücke diese Auszeichnung.
Anhand des Papiers sowie eines Schriftenvergleichs mit handgeschriebenen Briefen aus demselben Nachlass ist allerdings festzustellen, dass die Auswahl der besonderen Archivstücke nicht auf Clauss zurückgeht. Er dürfte sie in irgend einer Form genutzt oder in seiner persönlichen Ablage aufbewahrt haben. Von ihm könnten allenfalls die Hervorhebungen mit rotem Buntstift oder der Stempel "Erzbischöfl. Archiv Freiburg i. Br." oben rechts stammen.
Die Suche nach dem Autor der Memorabilien führt unweigerlich zu den Amtsvorgängern von Joseph Clauss. Franz Anton Zell wäre der aussichtsreichste Kandidat, denn er verfasste die Reihe „Memorabilien aus dem Erzbischöflichen Archiv in Freiburg“ im Freiburger Diözesan-Archiv (FDA). Seine Artikel entstanden in den Jahren 1866 bis 1876 und sind damit deutlich älter als die Liste aus dem Nachlass. Und dennoch kommt er nicht als Autor in Frage, denn seine Handschrift passt nicht zum fraglichen Dokument.
Obgleich er nicht als Verfasser identifiziert werden konnte, lieferte Zell einen Grund für die Kennzeichnung besonderer Archivstücke. Er leitete die Reihe seiner FDA-Beiträge mit den folgenden Sätzen ein:
"Wir gedenken unter der oben bezeichneten Rubrik in unserem Archive jeweils einzelne Actenstücke mitzutheilen, welche, wenn auch nicht als Belege der in dem Archiv enthaltenen Abhandlungen, oder einer zusammenhängenden Reihe von Urkunden angehörig, dennoch durch irgend ein historisches, namentlich culturhistorisches Moment, oder auch durch eine charakteristische Eigenthümlichkeit interessant sind. Wir machen damit den Anfang in der hier vorliegenden Reihe Nr. I. bis V., welche wir, ohne an eine systematische noch chronologische Ordnung uns zu binden, in bunter Mannigfaltigkeit auf einander folgen lassen." (FDA 2, 1866, S. 441).
Man interessierte sich im Archivwesen offenbar für die Sonderfälle, Kuriositäten und besonderen kulturellen oder historischen Ereignisse - und suchte nach einem Weg, sie in die Öffentlichkeit zu tragen. Zell wählte als Medium eine Schriftenreihe, in der er transkribierte Texte mit Zusatzangaben abdruckte. Heutzutage würden wir für eine Ausstellung, die Bestückung von Vitrinen, Führungen oder den wöchentlichen Blogbeitrag nach ebensolchen Beispielen suchen.
Auffällig ist, dass die 30 Memorabilien aus der Zeit vor der Errichtung der Erzdiözese Freiburg stammen. Die aufgehobenen Bistümer Konstanz und Straßburg sind beispielsweise vertreten. Nummer 27 (die Spanischen Niederlande) zeigt aber, dass nicht nur auf die benachbarte Kirchengeschichte geblickt wurde. Unter den Personen sticht Ignaz Heinrich von Wessenberg hervor, aber auch andere Geistliche (Abt von St. Blasien, Domkapitular Martin, Domherr Pappus von Tratzberg) sowie weltliche Herrschaftsträger und -trägerinnen wurden benannt. Die Liste greift mehrere religiöse Gemeinschaften (Kapuziner, Kloster Schwarzach, St. Peter, Jesuitenkolleg Konstanz) sowie unter anderem die Themen Ehe, religiöse Konflikte sowie Rechtsstreitigkeiten auf.
Konkordanz
In der folgenden Tabelle stehen die Memorabilien aus dem Nachlass von Joseph Clauss in der Mitte und werden umrahmt: links von den „Memorabilien aus dem Erzbischöflichen Archiv in Freiburg“, inklusive Angabe ihrer Veröffentlichung im FDA. Die von Zell publizierten Archivstücke stimmen nicht vollständig mit den 30 Memorabilia überein.
Rechts wiederum wird eine Konkordanz mit den heutigen Signaturen der im EAF vorgefundenen Archivalien geboten. Sie dürfen bei Interesse sehr gerne im Lesesaal eingesehen werden. Manche der Memorabilia konnten leider nicht zugeordnet werden. Das verwundert allerdings nicht, handelte es sich bei einigen Sonderstücken doch um Bücher und damit nicht um klassisches Archivgut. Denkbar wäre, dass sie in die Erzbischöfliche Bibliothek verbracht wurden oder über andere Wege zu neuen Besitzern kamen.
Sarah Mammola



