orthodoxe Ostkirchen 25. Juli, 9. September, 9. Dezember
Patronat: Florenz, Innsbruck, Neapel, der Bretagne; der Mütter und der Ehe, der Armen, Arbeiterinnen, Bergleute und Bergwerke, Drechsler, Goldschmiede, Hausfrauen, Hausangestellten, Knechte, Krämer, Müller, Schiffer, Schneider, Seiler, Spitzenklöppler, Strumpfwirker, Tischler, Weber, Witwen; für eine gute Heirat und Ehe, für Kindersegen und eine glückliche Geburt, für Wiederauffinden verlorener Sachen; gegen Gewitter und für Regen; gegen Pest, Fieber, Kopf-, Brust- und Bauchschmerzen
Anna war gemäß den Apokryphen (untergeschobenen Büchern) des 2. bis 6. Jahrhunderts – erstmals um 150 im Protoevangelium von Jakobus dem Jüngeren – die Mutter der Gottesmutter Maria und damit die Großmutter des Jesus von Nazareth. Ihre legendäre Vita ist dem alttestamentarischen Vorbild von Hanna und ihrem Sohn Samuel nachgebildet (1 Samuel 1–2): Annas Ehe mit Joachim blieb zwei Jahrzehnte kinderlos, bis sie im hohen Alter Maria zur Welt brachte. Eine andere Legende berichtet, dass Anna nach Joachims Tod noch zweimal geheiratet hat und zwei weitere Töchter namens Maria bekam, von denen die eine die späteren Apostel Jakobus den Jüngeren und Johannes den Evangelisten gebar. Annas Verehrung als Mutter der Gottesmutter war schon im 4. Jahrhundert weit verbreitet. Der byzantinische Kaiser Justinian I. (527–65) ließ für sie in Konstantinopel (ab 1453 Istanbul) im Jahre 550 eine Kirche errichten und Justinian II. (695–711) eine weitere, nach deren Fertigstellung Annas Gebeine von Palästina nach Konstantinopel überführt worden sein sollen. Im 13. Jahrhundert bildeten sich St.-Annen-Bruderschaften und -Schwesternschaften. In Europa erreichte der Annenkult mit der wachsenden Marienverehrung im Spätmittelalter seinen Höhepunkt und wurde vor allem von den Orden der Karmeliten und Kapuziner gefördert. Ihr zu Ehren wurden zahlreiche Kirchen und Kapellen gebaut, die sich zu stark besuchten Wallfahrtsorten entwickelten (z.B. im österreichischen Annaberg, in Nantes und in Anne d’Aury in Frankreich). In Deutschland wurde das Anna-Wasser aus Anna-Brunnen für alle möglichen Nöte geweiht. 1481 nahm Papst Sixtus IV. den 26. Juli als Gedenktag der Anna in den römischen Kalender auf. Seit Anfang des 16. Jahrhunderts befinden sich angebliche Reliquien der Anna u. a. in Düren (Nordrhein-Westfalen),Wien, in Frankreich und Italien. 1584 ordnete Gregor XIII. den 26. Juli weltweit zu ihrem Festtag (Annentag) an. Durch die Reformation erfuhr die Verehrung der Heiligen Anna eine Zeit lang einen Rückgang, blühte aber im 17. Jahrhundert vor allem in Italien und Spanien wieder auf.
Darstellung: als vornehme Matrone, meist mit grünem Mantel, rotem Kleid und Kopftuch und oft mit Joachim oder der jungen Maria; als »Anna selbdritt« (mit Maria und dem Jesuskind; italienisch Anna metterza); innerhalb der »Heiligen Sippe« (Joseph, Maria, Joachim, Anna und das Jesuskind)
Attribute: Buch (Altes Testament, das sie Maria lehrt)

Quelle: Herder-Verlag
