Der Bürotacker, umgangssprachlich auch „Klammeraffe“, „Heftklammergerät“ oder „Heftmaschine“, ist ein Gerät, das in den meisten Büros kaum wegzudenken ist. Gattungssystematisch handelt es sich dabei um eine Kompositionstechnik zur Erstellung von kleineren Schriftgutverbänden aus genormten Schriftstücken mittels mechanischer Oberrandheftung. Ein genaues Erfindungsdatum gibt es nicht, oft wird jedoch der 13. August 1867 angegeben. An diesem Tag erhielt George W. McGill das US-Patent US67665A mit dem Titel „Press for attaching paper fasteners“.
Aufbau eines modernen Hauben-Heftgerätes.
Die Anfänge des Bürotackers
Dem gingen jedoch einige Erfindungen voraus. So erhielt Samuel Slocum bereits am 30.September 1841 das Patent US2275A für eine „Machine for sticking pins into paper“.Diese Maschine ist der geistige Vorgänger des späteren Tackers. Der Entwicklungszweck war jedoch noch ein deutlich anderer. Damals wurden Stecknadeln und Pins in Papierstreifen aufgesteckt verkauft. Das händische Einfädeln erforderte Arbeitskapazität, sodass man begann, diesen Prozess zu automatisieren. Slocum entwickelte die erste Maschine, die es ermöglichte, Nadeln halbmechanisch in Papierstreifen zu stecken, um diese dann zu verkaufen.
In den 1850er Jahren wurden verschiedene experimentelle Maschinen entwickelt, die eine dauerhafte Bindung von Papierstücken ermöglichen sollten. So ließ Hymen L. Lipman im Jahr 1854 eine Maschine patentieren, mit der sich Papier mittels Ösen zusammenhalten ließ (Eyelet-Machine, Patentnummern US11027A vom 06.06.1854 und US11380A vom 25.07.1854). Am 22. März 1859 folgte Edwin L. Swartwout mit dem Patent „Mode of fastening sheets of paper together“ (US23322A). Hierbei handelt es sich um eine Form der Dokumentenheftung, bei der ein Verschluss mit Metallzähnen durch das Papier gesteckt und auf einer Gegenplatte von der anderen Seite umgebogen wird. Etwas später, am 5. Juli 1864, folgte die Anmeldung eines Patents für den „Paper-fastener” von Addison Smith (US43435A). Auch dieser bestand in seiner Funktionsweise eher darin, Schlitze in ein Papier zu schneiden, Metallplatten zur Fixierung hindurchzustecken und diese dann mit einem passenden Gegenstück auf der Rückseite umzubiegen. Es ist jedoch nicht bekannt, ob dieses Produkt jemals serienreif hergestellt wurde.
Am 24. Juli 1866 beschreibt George W. McGill eine biegsame Drahtklammer (US56587: „Improvement in metallic paper-fasteners“). Es handelte sich dabei um eine Papierklammer aus Blech mit rundem oder flachem Kopf sowie zwei Schenkeln, die durch das Papier gesteckt und seitlich umgebogen wurden. Um diese jedoch durch ein Papier zu treiben, entwickelte und patentierte McGill am 13. August 1867 zusätzlich eine „Press for attaching paper fasteners“ (US67665A). Bereits 1864 hatte jedoch der Erfinder Herbert W. Hart in England ebenfalls eine Papierklammer entwickelt, die er patentieren ließ.
Nahezu zeitgleich entstanden weitere Protoformen des heutigen Heftklammerer bzw. der Tackernadeln: Am 3. November 1868 ließ der Erfinder Albert J. Kletzker eine Hebelpresse patentieren („Improvement in paper-fasteners“, US83640A). Diese stanzte von unten Löcher durch einen Papierstapel und führte eine Metallklammer hindurch. Diese mussten anschließend von Hand umgebogen werden. Ähnlich funktionierte auch die Schraubpresse von Abraham A. Goldsmith („Improvement in temporary binders“, US150025A vom 21.04.1874), bei der die Enden der Nadeln mit einer Zange verdreht wurden.
Im Jahr 1876 stellte George W. McGill seinen Papierhefter auf der „Centennial International Exhibition“ in Philadelphia vor. Für diese Erfindung erhielt er eine Goldmedaille. Am 25. September 1877 folgte dann die erste Maschine, die sowohl das Durchstechen als auch das Biegen der Klammern gleichzeitig durchführen konnte. Sie wurde von Henry Renno Heyl unter dem Titel „Improvement in devices for inserting metallic staples“ (US195603A) angemeldet. Heyl meldete später weitere Patente für die Novelty Paper Box Manufacturing Co. an. Diese Firma nutzte die Erfindung vorwiegend zum Klammern von Boxen, Faltschachteln und Kisten. Für diese Firma arbeiteten zeitweise auch die beiden deutschen Brüder August und Hugo Brehm. Sie entwickelten 1875 die erste Drahtheftmaschine für die Buchproduktion, die ebenfalls 1876 in Philadelphia ausgestellt wurde. Für diese Maschine erhielten sie am 28. November 1886 das Patent DE42517C sowie am 27. Mai 1887 das Patent DE39466C.
In den 1870er- bis 1890er-Jahren kam es schließlich zu umfassenden Patentrechtsstreitigkeiten zwischen George W. McGill und der Firma von Henry R. Heyl. Diese führten unter anderem dazu, dass einige Patente später für ungültig erklärt wurden. Den kommerziellen Durchbruch erzielte schließlich McGill mit der „Single-Stroke Staple Press No. 1“, die er am 18.02.1879 unter der Bezeichnung „Improvement in devices for inserting metallic staples in papers“ (US212316A) patentierte. Doch auch dieses Gerät hatte noch nicht viel mit den heutigen Büroheftgeräten zu tun. Die „Single-Stroke Staple Press“ bestand aus Gusseisen und Stahl, wog 1,19 kg und war mit den Maßen 15,8 cm x 6 cm x 12 cm noch recht klobig. Zudem konnte man sie mit einer 1,27 cm langen Nadel beladen; nach einmaligem Tackern musste eine neue eingelegt werden. In den Folgejahren veröffentlichten auch weitere Hersteller wie Novelty Paper, Pet Office, Victor Paper oder Keystone.
Single-Stroke Staple Press von George W. McGill, 1879
In den 1890er Jahren folgten Firmen wie die E. H. Hotchkiss Co., die vor allem in Japan große Beliebtheit erlangte und dort mittlerweile ein Gattungsbegriff für Tacker ist. Ähnliches gilt für den „Bostitch“ der „Boston Wire Stitcher Company“ in der Schweiz. Die ersten modernen Hauben-Heftgeräte mit Klammermagazin, die wir auch heute noch nutzen, tauchten dann nach dem Zweiten Weltkrieg auf.
Die badische Oberrandheftung
Während zur Zeit der Jahrhundertwende im Überseeraum an verschiedenen Möglichkeiten des Papierheftens innoviert wurde, ging man im südwestdeutschen Raum einen anderen Weg. Auch hier gab es aufgrund der Etablierung bürgerlicher Verwaltungsstrukturen, der Ausdifferenzierung der Aufgabenbereiche dieser, der Gründung neuer Unternehmen und des gleichzeitigen Ausbaus von Sozial- und Infrastruktur im Zuge der Industrialisierung und Verstädterung eine zunehmende Papierflut, die es zu ordnen galt.
Bereits im Jahr 1801 wird in der „Archivordnung und Instruction des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Carl Friedrich Marggraven zu Baden und Hochberg“ eine „Aktenschnürung am linken oberen Rand des Faszikels“ erwähnt. Zudem erwähnt Herwig John in einem Aufsatz die Anschaffung von 25 genormten Musterblechen zur Vorperforierung von Löchern[1] für eine Oberrandschnürung. Diese Methode ist vergleichsweise unaufwändig und ressourcensparend und wirkt bei richtiger Handhabung auch konservatorisch positiv für den Erhalt von Akten. Leider wird diese Form der Heftung mit der Einführung der E-Akte im baden-württembergischen Justizsystem nun endgültig abgelöst.
Badischer Aktenlocher mit Aktenstichel und Hanffaden.
Der Klammerlose Tacker
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden weitere Techniken entwickelt, um Papier ohne Klammern, Nadeln, Tacker, Schnüre oder Ähnliches zusammenzuhalten. In den 1920er- und 1930er-Jahren gab es etwa eine Reihe von Patenten für den sogenannten „Paper Crimper“ oder „Paper Welder“. Diese Geräte pressten beispielsweise mehrere Blätter mit einem Zahnrad zusammen, um eine klammerlose Verbindung durch gepresste Schlitze zu erzeugen. Diese Technik wird auch heute noch in abgewandelter Form genutzt, um beispielsweise Briefumschläge an den Kanten zu stabilisieren oder Klarsichthüllen seitlich zu verschließen.
Beispielbild für eine Paper Welderverbindung
Eine andere Form des klammerlosen Heftens entwickelte George P. Bump: Er meldete zwischen 1909 und 1914 diverse Patente an (US1065903A, US1065904A, US1009644A oder US1104622A). Diese Technik wird auch heute noch bei den meisten klammerlosen Tackern in gleicher oder leicht abgewandelter Form eingesetzt. Zu Beginn kooperierte Bump mit dem Unternehmer J. C. Hawkins und seiner „Clipless Paper Fastener Company“. Bump lieferte sich jedoch im Weiteren mit seiner eigenen „Bump Paper Fastener Company“ einige Patentrechtsstreitigkeiten. In den folgenden Jahren traten auch weitere Firmen auf, die nadellose Papiertacker herstellten, darunter Cliplox, Automatic Pencil Sharpener und Bynd-Blot[2].
Zwei klammerlosen Heftungen nach der Bump-Methode.
Obwohl die Erfindung des klammerlosen Tackers bereits über 115 Jahre zurückliegt, hat sie sich leider lange Zeit kaum durchgesetzt. Zwar gab es auch bis in die 1950er bis 1970er Jahre diverse klammerlose Tacker, wie etwa den „Clipless Paper Fastener“[3] der britischen Firma Mosda oder den „Paper Fastener“ von Grant[4] für den japanischen Markt. Ein Wiederaufleben dieser Technologie erfolgte aber erst gegen Ende der 2000er Jahre, als klammerlose Tacker als ökologische Alternative unter dem Namen „Japantacker“ immer beliebter wurden. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl dieser Tacker von verschiedenen Herstellern zu kaufen.
Vor- und Nachteile?
Ein Nachteil des klammerlosen Tackers ist, dass man je nach Modell „nur“ 5 bis 12 Blätter tackern kann. Dies ist in der Regel völlig ausreichend, kann unter bestimmten Umständen aber zu wenig sein. Auch das maximale Zuggewicht einer solchen Papierverbindung ist geringer als bei einer Metalltackerung. Klammerlose Bürohefter ähneln in dieser Hinsicht also eher Büroklammern.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Es werden keine Klammern und keine Verbrauchsmaterialien benötigt, wodurch Ressourcen geschont werden. Zudem lassen sich Papiere auch mit etwas Geschick wieder voneinander lösen, sodass keine zusätzlichen Entklammerwerkzeuge benötigt werden.
Klammerlose Tacker gibt es mittlerweile in vielen Farben und Formen.
Aus archivischer Sicht ist der klammerlose Tacker ebenfalls sinnvoll. Eine solche Verbindung muss nicht unbedingt aufgelöst werden. Falls es doch nötig ist, kann diese aber problemlos mit einem Archivspatel aufgefaltet werden. Sollten die Löcher generell verschlossen werden, ist auch eine Übervliesung mit Japanpapier möglich. Bei der Übernahme von Aktenmaterial ins Erzbischöfliche Archiv Freiburg werden grundsätzlich alle Metallklammern (Büroklammern, Tackernadeln usw.) sowie Gummiverbindungen und Klarsichthüllen entfernt. Der Grund dafür ist einfach: Versprödung, das Auslösen von Weichmachern und das Rosten der Klammern können bei der dauerhaften Lagerung signifikante Schäden an schriftlichen Akten und Kulturgütern anrichten. Da bei klammerlosen Tackergeräten jedoch kein zusätzliches Material eingebracht wird, spart dies später im Archiv mehrere Prozessschritte. Wenn Sie Ihren Archivar:innen also einen Gefallen tun wollen, verzichten Sie bei der Ablage Ihrer Unterlagen gern auf Tackernadeln und Büroklammern.
Parsons, F. (2018): Staplers, Stapling Machines, & Paper Fasteners. Volume 1: Illustrating and Documenting the Hotchkiss Line of Office and Industrial Stapling Machines. Ohne Ortsangabe: Independently Published.
Parsons, F. (2019): Staplers, Stapling Machines, & Paper Fasteners. Volume 2: Neva-Clog. Ohne Ortsangabe: Independently Published.